Agrogentechnik: keine Vorteile

Für die Agrogentechnik müssen alle Bauern die Zeche zahlen

Ulrike Höfken fordert bessere Kennzeichnung – Gentechnik bietet Landwirtschaft keine Vorteile

Die sogenannte „Grüne Gentechnik“ birgt viele Risiken ohne den Landwirten und Verbrauchern nachweisbare Vorteile zu verschaffen. Die Grünen setzen sich als einzige Partei schon lange gegen eine Nutzung der Agro-Gentechnik ein. In jüngster Zeit seien bis auf die FDP auch alle anderen im Bundestags vertretenen Parteien auf diese Linie eingeschwenkt, berichtete die Bundestagsabgeordnete Ulrike Höfken bei einer Veranstaltung der Grünen in Bohmte. Insbesondere bei der CDU und CSU seien allerdings Zweifel angebracht, ob die vor der Wahl gemachten Aussagen auch noch nach dem 27. September gelten werden, betonte die Vorsitzende des Agrarausschusses des Bundetgages. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) habe beispielsweise als Bundeslandwirtschaftsminister den kommerziellen Anbau von Genmais erlaubt. Heute stelle er sich als Kritiker der Gentechnik dar.

Zu den negativen sozioökonomischen Folgen der Agrogentechnik zählten auch Kosten für gentechnikfrei wirtschaftende Bauern und Lebensmittelwirtschaft, die durch Agrogentechnik verursacht werden, wie eine Studie des Bundes der ökologischen Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) zeige. Kontaminationen bei Saat- und Erntegut durch nichtverkehrsfähige GVO belaufen sich alleine bei den bekanntgewordenen Fällen inzwischen auf mehrere Milliarden US-Dollar.

Die Kosten für Systeme zum Erhalt der gentechnikfreien Lebensmittelproduktion in der EU und Japan werden auf 100 Millionen US-Dollar jährlich geschätzt; für ein mittelständisches Unternehmen sind das circa 100.000 Euro pro Jahr. Auch für Bauern bedeutet Agrogentechnik steigende Kosten: Die Saatgutkosten bei Mais und Soja, wo die Gentechnik bereits eine erhebliche Rolle spielt, sind innerhalb der letzten drei Jahrzehnte weltweit auf das Fünffache gestiegen – bei einer Steigerung des Ertrags um den Faktor 1,7, die vor allem auf Züchtungsfortschritte der konventionellen Aus­gangssorten beruht. Bei Weizen und Reis, wo Gentechnik keine kommerzielle Rolle spielt, stiegen die Preise parallel zum Ertrag. Einen nennenswerten Beitrag zur Ertragssteigerung konnte die Agrogentechnik selbst bislang nicht leisten, Fortschritte hierbei kommen bislang fast ausschließlich durch die konventioneller Züchtung, erklärte die Agrarexpertin.

„Wir Grüne wollen den Weg einer Industrialisierung der Landwirtschaft auf Kosten von Bauern, Imkern, Umwelt und Verbrauchern stoppen“, sagte Höfken. „Wir messen CDU, CSU und SPD nicht an schönen Worten in Sonntagsreden und Wahlkämpfen, sondern an ihrem Verhalten in Brüssel, wenn es um Entscheidungen zur Agrogentechnik geht. Wir erwarten, dass sich die Bundesregierung auf EU-Ebene aktiv gegen die Verlängerung des Genmais’ MON810 einsetzt.“ Es reiche nicht, wenn CSU- und SPD-Abgeordnete lediglich Fensterreden gegen die Agrogentechnik halten.

Die Verbraucher könnten durch ihr Verhalten einen Beitrag gegen die Nutzung der Agrogentechnik leisten. Nach langem Zögern sei die Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner endlich der Forderung von Grünen, Lebensmittel- und Verbraucherverbänden nach einem einheitlichen Kennzeichnen "Ohne Gentechnik" nachgekommen. Dies sei ein wichtiger Schritt, um die gentechnikfreie Produktion zu fördern und den Markt für gentechnikfreie Futtermittel auszubauen.