Verkehrsraum ohne Schilder?

Everswinkel/Bohmte. Mit sechs interessierten Bürgern besuchten die Everswinkeler Grünen das EU-Pilotprojekt „Share Space“ im niedersächsischen Bohmte, „das in Deutschland verkehrspolitisch revolutionär anmutet“

Der Bericht aus den Westfälischen Nachrichten vom 25.09.08:

„Shared Space“ – was so viel bedeutet wie „sich den Raum teilen“ – habe seinen Ursprung bei holländischen Verkehrsplanern, die davon überzeugt seien, dass viele Verkehrsprobleme innerorts sich gerade daraus ergeben würden, dass sich die Verkehrsteilnehmer in einer vermeintlichen Sicherheit wiegen: Die Autofahrer auf ihrer Fahrbahn, die Radfahrer auf ihren Radwegen und die Fußgänger auf ihren Fußwegen – jeder also auf gesondert zugewiesenen abgegrenzten Verkehrsflächen.

Auch bei hiesigen Verkehrsplanern sei mittlerweile die Überzeugung gewachsen, dass es sich bei dieser Sicherheit nur um eine Scheinsicherheit handele, die in diesem EU-Projekt gerade aufgehoben und vermieden werde. Alle Verkehrsteilnehmer teilen sich dabei gleichberechtigt den gesamten Straßenraum. Es gibt keine Schilder, keine Ampel, keine Bordsteine, keinen unterschiedlichen Straßenbelag für unterschiedlich ausgewiesene Verkehrsflächen. „Alle Verkehrsteilnehmer, ob Fußgänger, Radfahrer oder Autofahrer, bewegen sich auf einer gemeinsam genutzten Verkehrsfläche.“

Die Everswinkeler Grünen wurden von Friedemann Keller, grünes Ratsmitglied im Bohmte, begrüßt und über die Entwicklung des Projekts in Bohmte informiert. Die Vitus-Dörfler konnten sich bei einer Ortsbegehung anschließend davon überzeugen, dass dieses Projekt funktioniert. „Jeder Verkehrsteilnehmer nimmt Rücksicht auf den anderen, und niemand ist im Nachteil“, bilanziert der Grünen-Ortsverband Everswinkel. Dabei fließe der Verkehr auch durch das als Straßendorf angelegte Bohmte, das mit seinen 7 000 Einwohnern eine durchaus mit Everswinkel vergleichbar große Gemeinde sei. Auch in Bohmte führe eine Umgehungsstraße einen Teil des überortlichen Verkehrs über die Bundesstraße 51 westlich am Ort vorbei. Trotzdem rolle täglich ein massiver Verkehr mit mehr als 12 000 Fahrzeugen – davon rund 1 000 Lkw – über die Bremer Straße durch den Ort. „Die Bewohner, die anliegenden Einzelhändler, Kaufleute und Gastronomiebetriebe haben nach intensiver Diskussion und Überzeugungsarbeit durch den Bohmter Bürgermeisters dieses Projekt begrüßt und mitgetragen.“ Sie seien auch heute von dem im Mai dieses Jahres abgeschlossenen Projekt überzeugt und begeistert, wie die Everswinkeler aus diversen Einzelgesprächen hätten erfahren können.

Die Everswinkeler Grünen können sich eine Umsetzung dieses Konzeptes für die Bergstraße und Warendorfer Straße in Zukunft durchaus vorstellen. Man sei diesen Tag mit einer gewissen Skepsis angegangen, sei dann aber insgesamt von dieser verkehrstechnischen Lösung überzeugt worden, lautet das Fazit des Ortstermins in Bohmte.